Kraftplatz Die Hölle - Von der Hölle in den Himmel
Aufbauend auf dem Prinzip der Natur Resonanz
Fast senkrecht ragt die schroffe Felswand zum Himmel hinauf. Stellenweise glatt und kahl, dann wieder rissig und von feinen Flechten überwachsen, türmt sich das Gestein unnachgiebig und wuchtig vor den Augen des Betrachters auf. Als sei das Felsmassiv geborsten, tut sich eine geheimnisvolle Öffnung im Stein auf. Diese bizarre Felsformation im Kaisergebirge übt seit Jahrhunderten eine mystische Anziehungskraft auf den Menschen aus.
Zur Hölle hinabsteigen
Der steinige Weg in die Hölle führt von der Vorderkaiserfeldenhütte in Richtung Hinterkaiserhof. Ein schmaler Bergsteig schlängelt sich durch einen magisch anmutenden Fichtenwald immer weiter nach unten. Die links und rechts verstreuten Felsbrocken kündigen den nahen Kultplatz an. Die beeindruckende Bergkulisse entfaltet eine beinahe magnetische Wirkung, unaufdringlich lockt der
Stein: Hier schlummert die Kraft des Berges, bereit sich aufspüren zu lassen.
Der Natur- und Bergwanderführer Harry Löffel beschreibt seine Erfahrung mit der Hölle: "Für mich ist dieser Ort etwas ganz Besonderes. Man wandert in der sommerlichen Hitze hinunter und kommt auf einmal zu diesem versteckten Platzerl, das ganz anders ist als die Umgebung." Im Schatten der Felsen herrscht ein eigenes Mikroklima: Auch an heißen Sommertagen ist es hier dunstig und feucht. Im Frühling bleibt der Schnee lange liegen. Das sichtbare Phänomen lässt sich auf das unsichtbare Kraftfeld des Felsens zurückführen.
Kraftplatz virtuell erleben
Diese bizarre Felsformation im Kaisergebirge übt seit Jahrhunderten eine mystische Anziehungskraft auf den Menschen aus.
Zur Virtual RealityKultstätte in den Alpen
Seit Jahrzehnten prangt in dicken, roten Lettern das Wort "Hölle" auf der grauen Felswand. In der Naturkulisse wirkt die Beschriftung befremdlich, wie sie dorthin kam, ist ungeklärt. Harry Löffel vermutet folgenden Hintergrund: "Ich bin schon als Jugendlicher durch die Hölle gewandert und schon damals war in roter Farbe das Wort auf den Felsen gemalt. Die einzigen, die früher mit roter Farbe im Kaisergebirge unterwegs waren, haben als Mitarbeiter des Alpenvereins die Wege markiert. Vielleicht haben sie sich einen Spaß erlaubt." Die Bezeichnung "Hölle" lässt sich aber wesentlich weiter in der Geschichte zurück verfolgen.
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Reiseführern von "Der Hölle" im idyllischen Kaisertal berichtet. Die Alpen galten damals als Inbegriff aller Schönheit, gleichzeitig ging immer auch eine Gefahr von den Bergen aus. Gerade die schönsten Gegenden im Gebirge wurden häufig als Hölle, Höllental oder Höllenboden bezeichnet: Die wildromantischen Plätze waren geachtet, da sich im Volksglauben verschiedene Sagen, um diese Orte rankten.
Rituale des Lebens
In der grauen Vorzeit wurden markante Felsformationen als Werk der Berggötter angesehen. An Orten mit besonders starker Erdstrahlung errichtete man Kultstätten, um den heidnischen Göttern zu huldigen. Mit dem aufkommenden Christentum wurden die magischen Orte verfemt, die früher verehrten Götter wurden zu Geistern herabgesetzt: "Die katholische Kirche hat alte Kultplätze immer verteufelt. Man hat entweder eine Kapelle an diesen Orten gebaut oder sie gemieden", zitiert Harry Löffel den bekannten Volkskundler Hans Heid, der die Ursprünge der Kultstätten in der Keltenzeit vermutete. Welchen Riten die Plätze dienten, bleibt oft im Verborgenen.
"Der Klobenstein in Kössen hat eine ganz ähnliche Form, wie die Felswand in der Hölle. Den 'Durchschlupfsteinen' wird eine magische Wirkung nachgesagt, es soll die Fruchtbarkeit fördern durch sie hindurch zu wandern", weiß Harry Löffel. Fruchtbarkeitsrituale sollten nicht nur die Fruchtbarkeit des Menschen, sondern auch das Pflanzenwachstum und die Vermehrung des Viehbestandes fördern. Die Riten sind ein Versuch das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und - mit Hilfe der Götter - die Zukunft positiv zu beeinflussen. Wer sich auf den Weg in die Hölle macht und dort durch die Felsspalte klettert, dem wird oben auf dem Plateau jedenfalls ein Stück Himmel zuteil. Hier spürt man die Urkraft, die bis heute anhält und Herzenswünsche mitnimmt: Von der Hölle in den Himmel.